Projektwoche an der Schule fördert Toleranz und Wertschätzung
Rassismus finde ich richtig uncool“, sagt Joao. Der Elfjährige hat sich schon oft mit dem Thema beschäftigt. „Leute zu beschimpfen, weil sie anders aussehen oder weil sie aus anderen Ländern kommen, macht einfach nur Stress und bringt keinem was.“ Weil er helfen will, dass alle sich verstehen, freute er sich schon lange auf die Projektwoche der unserer Realschule Benrath, die in der ersten Februarwoche stattfand. Die Projektwoche leistete nicht nur einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung, sondern auch zur Förderung eines respektvollen und diskriminierungsfreien Miteinanders. Damit unterstreicht unsere Schule das Selbstverständnis Schule als Trägerin des Schulsiegels „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“.



Unsere Schülerinnen und Schüler haben ihre Wurzeln aus mehr als 60 Ländern und erleben in ihrem Alltag – zum Beispiel im Verein, auf der Straße und auch in der Schule – abwertende Kommentare oder Ausgrenzung durch andere Jugendliche. Die Tatsache aber, dass die Schule dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ angehört, finden die meisten gut. Damit dieser Widerspruch sich auflöst und alle lernen, einander mit Respekt begegnen, gab es in der Projektwoche keinen Unterricht, sondern besondere Aktivitäten zum Thema.

Aufregend wurde es für Kinder der Stufe 5 und 10. Sie durften zum Beispiel Podcasts erstellen zum Thema Diskriminierung und Vielfalt. Zwei Lehrer hatten dafür extra ein Podcast-Studio mit dem Namen „Vielfalt klingt besser“ eingerichtet. Die Stufe 6 drehte Trickfilme zum Thema und wurde dabei fachlich vom Jugendhilfeverein Akki unterstützt. Ein Highlight für die Kids war auch das gemeinsame Essen, zu dem die Kinder Spezialitäten aus verschiedenen Ländern mitmachten.
SchülerInnen der Stufe 7 übersetzten die Fabel „Als die Raben noch bunt waren“* in verschiedene Sprachen und schrieb sie sorgfältig auf Plakate. In der Stufe 8 führten die SchülerInnen in Benrath eine Umfrage zum Thema Zivilcourage durch. An einem anderen Tag gab es für sie ein Sportturnier mit besonderem Augenmerk auf Fairplay und Mannschaftsgeist. Außerdem erarbeiteten sie mit einer Mitarbeiterin des Düsseldorfer Schauspielhauses neue Aspekte zum Thema „Nicht wegschauen“.



In der Stufe 9 wurde intensiv gelesen. Das Buch „Unser Schmerz ist unsere Kraft“ von Gamze Kubaşık forderte die SchülerInnen heraus, sich mit den NSU-Morden auseinanderzusetzen, denen auch Gamzes Vater zum Opfer fiel. Keine leichte Kost, aber beim Besuch der Autorin in der Schule gab es für das junge Publikum Gelegenheit, ihr persönlich Fragen zu stellen. (Lesen Sie hierzu auf dieser Homepage auch einen eigenen Beitrag zu dem Besuch von Gamze Kubaşık.)



Die Schulsozialarbeit unter Federführung von Frau Nykodym-Öland und die SV hatten ihren ganz eigenen Zugang zum Thema: Sie verkauften Karten zum Valentinstag. Das Projekt läuft so: Jemand schreibt einen Gruß an einen lieben Menschen und gibt die Karte an die SV-HelferInnen. Diese Karte wir dann von den „GlücksbotInnen“ der SV persönlich zum Adressaten gebracht. Ein perfekter Weg, um einander freundlich und wertschätzend zu begegnen.




Auch anderswo ging es kreativ zu: Auf allen Etagen der Schule wurde gezeichnet, gemalt und gebastelt. So entstanden Plakate zum Thema mit Aufrufen, Rassismus und Diskriminierung nicht zuzulassen und sich gemeinsam für Respekt und ein gutes Miteinander zu engagieren. Aus vielen Gesprächen miteinander erfuhren sie, welchen Schaden Ausgrenzung anrichten kann. Das verstanden die SchülerInnen als Aufforderung, couragiert und entschlossen für einander einzustehen.
Eine Ermutigung dazu schickte Emmanuel Iyoha von Fortuna Düsseldorf. Der Fußballprofi ist unser Pate im Netzwerk „Schule gegen Rassismus – Schule mit Courage“. Er meldete sich per Videobotschaft zu Wort. „Das Thema Rassismus ist sehr wichtig“, betonte er. Erst kürzlich sei er von einem Fan rassistisch angegangen worden – solche Vorfälle seien leider nicht selten und immer sehr verletzend. „Ich finde es supercool, dass ihr diese Projektwoche macht und euch in all eurer Unterschiedlichkeit besser kennenlernt“, so Iyoha. Zusammenhalt sei der beste Weg, jeder Art von Ausgrenzung etwas Gutes entgegenzusetzen.
*: „Als die Raben noch bunt waren“ wurde als Bilderbuch von Edgar Schreiber-Wicke und Carola Holland bekannt und ist für 16,00 Euro im Buchhandel erhältlich.

Der Inhalt der Fabel:
Die bunte Vergangenheit: Einst waren Raben nicht schwarz, sondern prachtvoll bunt – rosa mit violetten Federn, gelb mit grünen Tupfen oder hellblau gestreift. Der Streit: Ein Schneemann (oder ein Maulwurf) wirft die Frage auf, welche Farbe denn die „richtige“ für einen echten Raben sei. Daraufhin bricht ein heftiger Streit aus. Jede Gruppe ist überzeugt, dass nur ihre eigene Farbkombination die wahre sei. Der Krieg der Farben: Die Raben trennen sich nach Farben und beginnen einen „rabenschweren Krieg“, bei dem sie sich gegenseitig bekämpfen. Die Verwandlung: Ein geheimnisvoller schwarzer Regen setzt ein und wäscht alle Farben weg. Seitdem sind alle Raben schwarz und können sich nicht mehr aufgrund ihres Aussehens streiten. Die Moral: Die zentrale Botschaft der Geschichte ist ein Plädoyer für Toleranz und Akzeptanz. Sie zeigt, dass Eitelkeit und der Stolz auf Äußerlichkeiten zu Spaltung und Krieg führen können. Die heutige schwarze Farbe der Raben erinnert daran, dass innere Werte und die Gemeinschaft wichtiger sind als die Farbe des Gefieders. Ein einzelner Rabe, der während des Regens im Urlaub war, blieb übrigens bunt – er musste jedoch feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, als einziger „anders“ zu sein.
Einen Beitrag zur Projektwoche aus der Rheinischen Post finden Sie hier:
