Hip Hop gegen Ausgrenzung

Beim Regionaltreffen des Netzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ NRW wurde Maßnahmen gegen jede Form von Ausgrenzung diskutiert.

Kann man mit Rap und Hip Hop Rassismus verhindern? Wie geht man mit Fremdenfeindlichkeit um, wenn Menschen wegen ihrer Herkunft oder Hautfarbe ausgegrenzt werden? Und was kann man den Gruppen in Gesellschaft und Politik entgegensetzen, die Deutsch-Sein extrem anders verstehen als die meisten anderen im Land?

Es war keine leichte Kost, die unser RSB-Team beim Regionaltreffen des Netzwerks „Schule ohne Rassismus- – Schule mit Courage“ zu verdauen und zu bearbeiten hatte. Maryam, Lucy & Johenny aus der Stufe 8 und Frau Kressin fanden zum Glück sofort Ermutigung: Wir sind viele! Mit mehr als 1400 Schulen in Nordrhein-Westfalen und mehr als 5000 in ganz Deutschland bildet das Netzwerk ein starkes Rückgrat für unser aller Engagement gegen Rassismus. Das betonte auch Andrea Stern, Regional-Koordinatorin in Mülheim/Ruhr. Sie berichtete in einem Rückblick vom Netzwerktreffen in Mülheim an der Ruhr im Mai, das unter dem Motto: „Vereint in Vielfalt – Gemeinsam für Demokratie!“ stand. Es tue gut zu sehen, dass man nicht alleine sei, beschrieb sie die Stärke des Netzwerks: „Es gab und gibt viele inspirierende Gespräche und gelebte Solidarität.“ 

Zu Solidarität rief auch Xavier Domain (DGB- Jugend Düsseldorf-Bergisch Land) in seinem Grußwort auf. Alle müssten, so sagte er, zusammenarbeiten, um Hass und Hetze etwas entgegenzuhalten. 

Gemeinsames Engagement gegen jede Art von Ausgrenzung kann auch über die Musik kommen, wie Professor Dr. Bünyamin Werker * in seinem Vortrag erklärte. Sein Thema war „Hip-Hop-Kultur und Rap als Medium diversitätssensibler Bildungsarbeit mit Jugendlichen“ und er zeigte an vielen Beispielen aus der Musikgeschichte und aus aktuellen Liedern, dass die MusikerInnen über ihre Texte und ihr Auftreten persönliche Geschichten erzählen, über die man ins Gespräch kommen könne. „Der Vorteil bei Hip-Hop und Rap ist auch, dass man keine Noten kennen muss“, betonte Professor Werker. „Man muss auch nicht singen können und man muss auch kein Instrument beherrschen“, ergänzte er. „Man kann einfach loslegen.“

Nach einem gemeinsamen Mittagessen mit viel Austausch und intensiven Gesprächen gab es am Nachmittag sechs Workshops, in denen Beispiele für mögliche Projekte im Sinne des Netzwerks vorgestellt wurden. Auch das Thema Rechtsradikalismus wurde ausführlich besprochen, ebenso wie das Thema strukturelle Ausgrenzung von Frauen und queeren Menschen – privat und im Arbeitsalltag. Es stelle sich, so die Experten, immer wieder heraus, dass eben nicht nur dumme Sprüche auf der Straße und Abwertung im Alltag das Problem sind. In der Arbeitswelt werden Menschen mit gezieltem, so genannten „strukturellen“ Rassismus bewusst demontiert und gedemütigt. Viele müssen niedrige, schwere Arbeit leisten, um ihren Vorgesetzten Wohlstand zu bescheren. Ohne faire Bezahlung und ohne die Chance, sich selbst und ihren Familien ein besseres Leben aufbauen zu können.

Am Ende des Regionaltreffens kamen die ca. 150 TeilnehmerInnen zu dem Ergebnis: Sich gegen Rassismus und Ausgrenzung einzusetzen ist eine Lebensaufgabe, die niemals aufhört. Aber: Gemeinsam können wir es mutig und gestärkt angehen.

* Dr. Bünyamin Werker. ist seit März 2022 Professor für Bildung und Erziehung im Kontext Sozialer Arbeit an der Hochschule Hannover. Privat ist er Musiker aus Leidenschaft und setzt sich mit anderen Musikern gegen Rassismus ein.