Von Freiheit und Widerstand

Der Kurs 10PP folgte den Spuren der Edelweißpiraten.


Was ist Freiheit? Warum ist sie so wichtig? Welche Freiheiten sind wichtiger als andere? Was sind unsere Freiheiten wert? Und wie weit gehen Menschen, um sie zu verteidigen, auch unter schwierigsten Bedingungen? Mit diesen Fragen hat sich der Kurs 10 Praktische Philosophie intensiv beschäftigt.

Zum Abschluss der Lerneinheit fuhr die Gruppe nach Köln-Ehrenfeld, um auf Spurensuche zu gehen. Denn in dem heute bunten, turbulenten und alternativen Stadtteil schlossen sich einst junge Menschen zusammen, um Widerstand zu leisten. Widerstand gegen die Nationalsozialisten, deren Regime und deren Krieg 1939 is 1945 sich gegen die Freiheit, gegen die Selbstbestimmung und gegen die Menschlichkeit richteten: Die Edelweißpiraten.

Die Philosophie-SchülerInnen lernten: Der Name „Edelweißpiraten“ wuchs aus einer Beschimpfung der Nazis, mit der sie die Gruppe der Widerständler demütigen wollten. Doch die Edelweißpiraten – die meisten in dem Alter wie unsere Zehntklässler heute – ließen sich nicht beirren. Was 1942 mit Treffen in der Natur und Spottliedern auf die Nazis und Flugblatt-Aktionen begann, wurde rasch zum bewaffneten Widerstand, geplant und organisiert in Ehrenfelder Kellern, versteckt und gedeckt von vielen Mittwissenden. Für viele waren die Edelweißpiraten Vorbilder wegen ihres Mutes und ihrer Unerschrockenheit. Für andere waren sie gefährliche Kriminelle, die man bestrafen musste.

Am Ende brachte ihr Einsatz auch vielen Edelweißpiraten den Tod. Die Gestapo und SS ermordeten am 10. November 1944 dreizehn Mitglieder der sogenannten „Ehrenfelder Gruppe“, darunter auch jugendliche Edelweißpiraten. Die öffentliche Hinrichtung ohne Gerichtsurteil fand an einer Eisenbahnbrücke am Bahnhof Ehrenfeld in Köln statt. Die Tötungen wurden gefilmt und fotografiert – das sollte als Abschreckung dienen.

Genau an der Hinrichtungsstelle gibt es heute eine Gedenkstätte mit den Namen der jungen Widerständler und mit ihren wichtigsten Botschaften, mit Gemälden, einer Gedenktafel und Porträts einzelner wichtiger Gesichter der Widerstandsgruppe. Gegenüber auf dem Boden sind auch Stolpersteine* verlegt, die an zwei Anführer der Edelweißpiraten erinnern. 

Nur zwei Straßen weiter erinnert der Hochbunker K101 an die Geschichte der Gruppe – als einer der Treffpunkte der Edelweißpiraten. Heute ist der Bunker ein Veranstaltungsort, in dem Konzerte, Theaterstücke und andere Kulturevents stattfinden, bei denen Themen wie Ausgrenzung und Rassismus sehr wichtig sind.

Am Ende des Rundgangs waren die PP-SchülerInnen sehr nachdenklich. Ja, so waren sie einig, die Edelweißpiraten beeindrucken bis heute Menschen mit ihrem Widerstand. Aber sie nahmen Verfolgung, Gefängnis und Gefahr auf sich, viele bezahlten mit dem Tod. Wieviel ist die Freiheit wert? Diese Frage wird uns noch lange beschäftigen. 

Text und Fotos: krs

Wer mehr über die Edelweißpiraten erfahren möchte, kann dies in dieser Doku des TV-Senders ARTE tun: https://www.youtube.com/watch?v=JAg5plf6Uzk

 *: Stolpersteine sind kleine Gedenksteine, die im Gehweg vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern von NS-Opfern verlegt werden. Sie erinnern an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert oder ermordet wurden. Das Konzept stammt vom Künstler Gunther Demnig.