Ein Dorf erwacht zu neuem Leben

Eindrücklicher Besuch in Keyenberg und am Tagebau Garzweiler*

Der WP-Kurs Wirtschaft 8 und die Klasse 8d der Realschule Benrath unternahmen einen besonderen Unterrichtsgang: Sie fuhren im Juni 2026 nach Keyenberg und zum Tagebau Garzweiler. Keyenberg ist ein Ortsteil der Stadt Erkelenz im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen. Begleitet wurden die Schülerinnen und Schüler von Herrn Zariouh, Frau Türk und Frau Rempel.

Vor Ort erhielten die Schülerinnen und Schüler eine spannende Dorfführung durch Barbara Ziemann-Oberherr, die eng mit Keyenberg verbunden ist und sich seit vielen Jahren mit der Geschichte und Zukunft des Ortes auseinandersetzt. 

Die Geschichte von Keyenberg ist einzigartig

Die Jugendlichen erfuhren: Durch den Braunkohleabbau – viele Jahre wichtiger Standard für die Energiegewinnung – war der Ort Keyenberg lange Zeit bedroht, weil die Abbaufläche erweitert werden sollte. Der Stromerzeuger RWE* übernahm viele der Häuser, andere wurden im Zuge der geplanten Umsiedlung von ihren Bewohnern verlassen. 
Ursprünglich sollten die Dörfer dem Tagebau Garzweiler weichen. Durch den vorgezogenen Kohleausstieg entfiel der Bedarf für die darunterliegende Braunkohle. Da die Umsiedlung bereits im Jahr 2016 begann, existieren derzeit sowohl das alte, zu großen Teilen leergezogene Dorf als auch der neue Umsiedlungsstandort. Die Stadt Erkelenz treibt die Wiederbelebung des alten Ortes voran. 

Die Entscheidung, dass Keyenberg und vier weitere Erkelenzer Dörfer (Kuckum, Berverath, Ober- und Unterwestrich) erhalten bleiben, fiel im Oktober 2022. Die nordrhein-westfälische Landesregierung beschloss, die Kohle unter den Orten nicht mehr abzubaggern, wodurch der Abriss abgewendet wurde.
Nachdem das Dorf nun doch erhalten bleiben soll, steht Keyenberg vor einer neuen Herausforderung: Aus einem fast verlassenen Ort soll wieder ein lebendiges Dorf werden.
Während der Führung konnten sich die Schülerinnen und Schüler selbst ein Bild davon machen, welche Folgen der Braunkohleabbau für Menschen, Häuser, Straßen und ganze Dorfgemeinschaften haben kann. Besonders eindrücklich war der Kontrast zwischen den verlassen wirkenden Gebäuden, der ruhigen Dorfatmosphäre und der Hoffnung, dass Keyenberg in Zukunft wieder stärker belebt wird.

Auch der Blick auf den Tagebau Garzweiler machte deutlich, wie groß der Eingriff in die Landschaft ist und wie eng wirtschaftliche Interessen, Energieversorgung, Klimaschutz und persönliche Schicksale miteinander verbunden sind. Die Schülerinnen und Schüler stellten viele Fragen und nutzten die Gelegenheit, mehr über Umsiedlung, Heimatverlust, Kohleabbau und die Zukunft der Region zu erfahren.
Bei hochsommerlichen Temperaturen waren alle mit großem Interesse dabei. Der Ausflug bot eine wertvolle Möglichkeit, Unterrichtsinhalte aus Wirtschaft, Politik, Erdkunde und Gesellschaftslehre direkt vor Ort zu erleben. So wurde deutlich: Strukturwandel ist kein abstraktes Thema, sondern betrifft echte Orte und echte Menschen.

Wir bedanken uns herzlich bei Barbara Ziemann-Oberherr für die offene, informative und bewegende Führung durch Keyenberg.

Fotos & Videos: zar, tü, Khalid (8c); Text: zar

Quelle: https://de.statista.com/infografik/29139/braunkohletagebau-garzweiler-im-ueberblick/

Weitere Infos gibt es hier:
https://www.bund-nrw.de/themen/braunkohle/hintergruende-und-publikationen/braunkohlentagebaue/garzweiler/steckbriefchronologie-garzweiler

*: Garzweiler 2 ist ein riesiges, tiefes Loch im Boden, in dem riesige Bagger sogenannte Braunkohle ausgraben. Diese Kohle wird in Kraftwerken verbrannt, um daraus Strom für unsere Steckdosen zu machen. Es ist so groß, dass ganze Dörfer weichen müssen, damit die Maschinen dort arbeiten können. 

Die wichtigsten Punkte

1. Das große Loch
Garzweiler 2 ist ein sogenannter Tagebau. Das ist das Gegenteil von einem normalen Bergwerk: Statt tief unter der Erde in dunklen Tunneln zu graben, wird hier alles oben auf der Erde weggeschaufelt.
Es entsteht eine gigantische Kraterlandschaft, in der bis zu 210 Meter tief gegraben wird. 

2. Was sind das für Fahrzeuge, die man dort sieht?
Dort arbeiten extreme Riesenmaschinen, sogenannte Schaufelradbagger.
Sie sind so hoch wie ein Haus mit 30 Stockwerken und die Schaufeln an ihren Rädern sind so groß, dass ein Kleinwagen hineinpassen würde. Sie graben ununterbrochen Erde und Kohle ab. 

3. Was ist Braunkohle?
Braunkohle ist ein natürlicher Brennstoff, der vor vielen Millionen Jahren aus versteinerten Pflanzen und Wäldern entstanden ist.
Wenn man sie in Kraftwerken verbrennt, entsteht heißer Dampf, der riesige Turbinen antreibt. So wird unser Strom gemacht, damit zu Hause das Licht angeht oder Computer funktionieren. 

4. Warum ist das ein Problem?
Weil die Bagger immer weiterwandern, fressen sie sich durch Felder, Wälder und Straßen.
Das bedeutet, dass Menschen, die dort in kleinen Dörfern wohnen, ihre Heimat verlieren. Sie müssen in neue Dörfer oder Städte umziehen, und ihre alten Häuser werden abgerissen.
Außerdem ist die Kohleverbrennung nicht gut für das Klima.

5. Wie geht es weiter?
Da wir heute unseren Strom immer mehr mit Wind und Sonne machen (erneuerbare Energien) und die Kohle das Klima belastet, wird das Graben bald aufhören. 
Wenn die Grube leer ist, soll das Loch nicht einfach so bleiben: Es ist geplant, es ab dem Jahr 2036 über viele Jahrzehnte hinweg mit Wasser aus dem Rhein zu füllen. So soll dort ein riesiger, neuer See für die Menschen und die Natur entstehen.

**: Die RWE-AG mit Hauptsitz in Essen ist ein führender deutscher Energiekonzern und gilt als der größte Stromerzeuger in ganz Deutschland und damit auch die unangefochtene Nummer 1 in Nordrhein-Westfalen (NRW).