Jeder Tag eine Verwandlung

Die Junge Oper am Rhein ist mit der Performance „ECHTZEITGEFÜHL“ zu Gast an der Realschule Benrath

Hast du dich schon mal gefragt, wie sich ein winziges Ei fühlt, wenn es sich zuerst in eine Raupe und dann in einen Schmetterling verwandelt? In den etwa sechs Wochen, in denen dieser Prozess dauert, legt die Raupe mehrmals Haut ab, bis endlich aus ihr ein Schmetterling wird.
Und was hat das mit dem Stück „Echtzeitgefühl“ zu tun, das die Performerin Florence Mankenda* für die siebten Klassen an unserer Schule aufführte?  „Auch wir Menschen verwandeln uns immer weiter und weiter – die Jugendlichen, vor denen ich spiele, wissen ganz genau, wie sich das anfühlt: Da wechseln sich Forschen und Finden, Verwirrung und Klarheit ab, es entstehen immerzu neue Welten.“ Der Weg zum „Ich“-Sein ist aufregend, aber auch spannend. Mit allem, was dazu gehört.

Das Stück ECHTZEITGEFÜHL von Christina Kettering und Sergej Maingardt für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zeigte dies als multimediale Performance sogar viermal – jede Klasse hatte ihre eigene Show. „Diese Art von Klassenzimmer-Performance war auch für uns neu“, erzählt Jörg Behr* von der Jungen Oper am Rhein und ergänzt: „Es funktioniert gut! Dieses Format sorgt dafür, dass alle Zuschauenden ganz nah dran sein können.“ Im Stück verknüpft Florence Mankenda Songs mit Videos, die sich immerzu verändern: Aus bunten Streifen werden Gesichter, aus denen sich Vögel formen, die zu Wasserfontänen werden – ein Sinnbild für die ständige Verwandlung des Lebens, die niemand aufhalten kann und der man sich stellen muss.
Die eindringliche Darstellung ist das Ergebnis einer intesiven Zusammenarbeit: Die Musik der Songs und die Videos erstellte Sergej Maingardt, Florence Mankenda entwickelte die Melodielinien und die Textaufteilung im Dialog mit Sergej.

Auf der „Bühne“ – also mitten im Klassenzimmer – bot Florence eine packende Vorstellung. Mit bewegenden Zeilen wie „Stopp Halt die Welt an Für einen Moment Alles dreht Alles steht auf dem Kopf Mir ist schwindelig Alles verdreht Oben ist unten Und innen ist außen Ich bin die Welt und die Welt ist ich Oder nicht“ (aus dem Song Restart) beschrieb sie die Kraft von innerer Verwandlung und wies darauf hin, dass auch „äußeres“ Unrecht in Recht verwandelt werden müsse: „Jeder will was von dem Kuchen haben Einer kriegt alles der andre nichts Manche lecken nur die leeren Teller ab Etwas läuft schief doch keiner fragt“ (aus dem Song Verwandeln).

Spannend dabei: Im Raum war nicht ein Ton zu hören! Das Publikum wurde mit Bluetooth-Kopfhörern ausgestattet, mit denen ihnen Musik und Klänge ganz nahekamen. Und auch wenn die Eindrücke und Texte neu und ungewohnt waren, hätten sie sie irgendwie verstanden und zusammensetzen können, erzählten viele der SiebtklässlerInnen nach der Vorstellung begeistert.

Großen Spaß machte ihnen auch der Workshop mit Jörg Behr, in dem sie nach der Performance selbst ans Mikro treten und Sounds und Videos mixen und sich ausprobieren durften. Neben neuen Ideen und guter Laune nahmen die Kinder spannende Kenntnisse über den römischen Dichter Ovid mit. Ovid (43 v.Chr. –14 n.Chr.) erzählt in seinem Werk „Die Metamorphosen“** in unglaublichen 15 Büchern in ca. 12.000 (!!!) Gedichtversen 250 (!!!) Verwandlungsgeschichten, und zwar aus der antiken Sagenwelt, vor allem aus der griechischen Mythologie.
Einige von ihnen wurden in der Perfomance aufgegriffen. Ovid berichtet zum Beispiel vom Schicksal der jungen Frau Daphne, die sich zum Schutz gegen Angriffe von außen in einen Baum verwandeln kann. Ovid liefert auch Verse über den Trojanischen Krieg und über die Geschichte von Dädalus und Ikarus. Vater und Sohn wollen ihren Traum vom Fliegen wahrmachen, doch ihre Flügel aus Wachs halten der Hitze der Sonne nicht Stand. Ikarus zieht die Lehre daraus: „Selbst wenn ich meinen Traum nicht auf ewig erreichte: Einmal bin ich geflogen.“

Text und Fotos: krs
Beitragsfoto (angepasst von krs): Junge Oper am Rhein 

*: Mehr lesen über Florence Mankenda:

https://www.operamrhein.de/menschen/florence-mankenda

Mehr lesen über ECHTZEITGEFÜHL:

https://www.operamrhein.de/spielplan/a-z/echtzeitgefuehl

Mehr lesen über die Junge Oper am Rhein:

https://www.operamrhein.de/startseite-jung

Mehr lesen über Jörg Behr:

https://www.operamrhein.de/menschen/joerg-behr

 **: Das griechische Wort „Meta“ bedeutet in Bildungen mit Adjektiven oder Substantiven zwischen, inmitten, nach, nachher, später, ver… im Sinne der Umwandlung, des Wechsels (z.B. Metabasis, Metaebene, metaphysisch). Das griechische Wort „morph“ bedeutet „ Form, Gestalt “. Diese Bedeutung findet sich in Wörtern (z.B. „amorph, Metamorphose, Morphem, Morphologie“).